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Kleiner Hausaufgabenleitfaden der Grundschule Brand                          Grundschule Brand

In welchem Zeitraum sollten Hausaufgaben erledigt sein?
Ungefähre Richtwerte pro Jahrgangsstufe - mit Steigerung von Schuljahresbeginn bis Schuljahresende

Jahrgangsstufe von ca. bis ca.
1. Jahrgangsstufe 0,5h - 1h
2. Jahrgangsstufe 0,5h - 1h
3. Jahrgangsstufe 1h - 1,5h
4. Jahrgangsstufe max. 1,5h

(Die angegebenen Zeiten sind im Zusammenhang mit dem individuellen Leistungsvermögen und dem Arbeitstempo des Kindes zu sehen.)

Wo sollen die Hausaufgaben erledigt werden?
Es gibt Kinder, die brauchen ihre Ruhe, andere brauchen jemanden im Raum (der dann auch am Tisch schriftlich etwas erledigt) oder im Nebenzimmer. Wichtig ist, dass die Eltern nach Möglichkeit nicht in die Hausaufgaben einbezogen werden, sondern nur körperlich anwesend sind.

Welcher Zeitpunkt ist für die Erledigung der Hausaufgaben am günstigsten?
Das ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Einige fangen sofort mit den Hausaufgaben an, andere müssen erst den Kopf z.B. im Spiel frei bekommen. Ein ungünstiger Zeitpunkt ist sicher, Hausaufgaben am Ende eines erlebnisreichen Nachmittages zu erledigen. Hier müssen die Eltern ein Zeitmanagement für ihr Kind treffen. Notfalls einen kleinen, machbaren Teil erledigen und den Rest, nach einer Information an die Lehrkraft, am nächsten Teg nacharbeiten.
Auch die Eltern sollten ihren eigenen Biorhythmus beachten, wenn sie ihr Kind bei den Hausaufgaben unterstützen wollen! Gestresste Eltern sind bei den Hausaufgaben unbrauchbar.

Wie viel Hilfestellung dürfen Eletern geben?
Auch das ist individuell von Kind zu Kind verschieden und bedarf einer genaueren Absprache mit der Lehrkraft. Eltern können aber einen kleinen Anschub geben, indem man z.B. die erste Aufgabe gemeinsam macht, oder das Kind die Aufgabenstellung mit eigenen Worten wiederholen lässt. Kleine Teilschritte, die gelobt werden, ermutigen die Kinder und spornen sie an. Der Perfektionsanspruch der Eltern deckt sich manchmal nicht mit dem der Schule. Sicher ist eine abgelieferte, richtige Hausaufgabe in sauberer Schönschrift eine Freude für jede Lehrkraft. Hier muss aber das ästhetische Vermögen eines Kindes von der Sache unterschieden werden.

Sollen Eltern die Hausaufgaben korrigieren?
Das Wort "Fehler" ergibt andersherum gelesen das Wort "Helfer". Er macht uns auf einen falschen Denkprozess oder auf eine oberflächliche Herangehensweise aufmerksam.
Ein Fehler, der sofort entdeckt und korrigiert wird, kann sich nicht einschleichen. Daheim ist Ruhe und Zeit, sich damit auseinander zu setzen. In der schulischen Realität sieht es oft so aus, dass die Hausaufgaben in Eigenverantwortung am nächsten Tag kontrolliert und abgehakt werden. Hier ist aber nicht immer Verlass darauf, dass das Kind den Fehler entdeckt. Außerdem muss der Prozess nachvollzogen werden, warum der Fehler entstanden ist.
Auch die Lehrkraft korrigiert die Fehler und gibt das Heft erst einen Tag später zurück. Dann ist der Fehler aber verbessert und es kann wieder nicht ergründet werden, wie oder weshalb er entstanden ist.
Damit auch die Lehrkraft eine Rückmeldung bekommt, dass einiges noch nicht korrekt beherrscht wird, könnte man die fehlerhafte Aufgabe stehen lassen und die korrigierte Fassung beifügen. So hat auch das Kind eine Dokumentation seines Lernfortschrittes.

Dürfen Hausaufgaben auch abgebrochen werden?
Ja! Dennoch sollte bereits mit der Lehrkraft im Vorfeld über das individuelle Leistungsvermögen des Kindes gesprochen werden oder über das Hausaufgabenheft zurückgemeldet werden, warum dieser Hausaufgabenumfang nicht bewältigt werden konnte.

Hausaufgaben - Möglichkeiten und Grenzen!
Leider sind wir noch keine Ganztagsschule, in der Hausaufgaben keine Rolle mehr spielen. Hausaufgaben haben ihre Funktion in der Wiederholung, Festigung und Anwendung bereits erarbeiteter Unterrichtsinhalte in einem kleinen, festgelegten Zeitumfang und spiegeln den aktuellen Leistungsstand des Kindes wieder.
Sie dürfen nicht die kostbare Zeit beeinträchtigen, die das Kind zur Entfaltung seiner Persönlichkeit im außerschulischen Rahmen benötigt und auch nicht zur Kampfarena der Eltern-Kind-Beziehung werden!

 

Wenn einem alles Chinesisch vorkommt, sollte man aufhören!
Wenn einem alles Chinesisch vorkommt, sollte man aufhören!

 

 

(Dieser "Hausaufgabenleitfaden" ist das Ergebnis eines Elternseminares "Hausaufgaben, Leistung und Co.", das unter der Leitung von Diplom-Psychologin Frau Elke Breunig im März 2013 stattfand.)